Polyneuropathie

Hans Günther
Maschinenbautechniker, selbständig, Jahrgang 1944

Seit Ende der achtziger Jahre bemerkte ich einen allmählichen Rückgang von Tast- und Temperaturempfindungen meiner Füße. Im Jahr 2000 diagnostizierte mein Hausarzt und der Neurologe Polyneuropathie. Nach genauen Untersuchungen während eines zehntägigen Aufenthalts im Krankenhaus konnte die Ursache nicht festgestellt werden, eine erbliche Veranlagung wurde nicht ausgeschlossen; Heilungsmöglichkeiten gab es keine. Die Krankheit schritt langsam und unaufhaltsam voran. Spaziergänge waren kaum mehr möglich, auch mein geliebtes Fahrradfahren musste ich aufgeben, da ich keinen Kontakt zu den Pedalen mehr spürte. Urlaubsreisen machten keine Freude mehr, spätestens am dritten Tag waren die Füße offen. Ohne erkennbare Gründe bluteten die Zehennägel ein und lösten sich ab.

Im Frühjahr 2003 kam noch ein dreifacher Bandscheibenvorfall mit leichter Fußheberlähmung im rechten Fuß hinzu, es fiel mir immer schwerer meinen Beruf als Selbstständiger im Dienstleistungsbereich auszuüben. Orthopädische Behandlungen mit Krankengymnastik und Ende 2004 war ein Gehen nur noch sehr schleppend möglich, ich hatte Probleme meine Hemdknöpfe zu schließen. Mir fielen oft Gegenstände aus der Hand, da kaum noch Gefühl in den Händen vorhanden war.

Im Februar 2005 ließ ich mich erneut neurologisch untersuchen. Der Arzt sagte mir, er könne nichts für mich tun, mir ginge es doch noch ganz gut, ich könne mich doch noch ohne fremde Hilfe bewegen und versorgen. Er bot mir seine Unterstützung bei der Beantragung eines Schwerbehindertenausweises an, damit wenigstens die finanzielle Seite berücksichtigt werde. Außerdem empfahl er dringend, meine Tochter solle sich auf eventuelle erbliche Veranlagung untersuchen lassen – die Untersuchung ergab keine Hinweise darauf, hurra. Sie durchforstete daraufhin aber das Internet und fand – die Klinik am Steigerwald.

Der Familienrat ließ mir keine Chance – am 19. April 2004 trat ich mit sehr gemischten Gefühlen meinen Aufenthalt im Steigerwald an. Meine anfängliche Skepsis legte sich sehr schnell. Ich war erstaunt und begeistert, wie viel Zeit und Ruhe die Ärzte einem entgegenbringen. Nach nur einer Woche mit Arzneitherapie, Körpertherapie und Akupunktur konnte ich wieder größere Schritte machen. Das QiGong am Morgen wurde zur Gewohnheit. Am Anfang noch ungläubig belächelt (was soll denn das, ist das auch Gymnastik oder was?) half es ganz einfach, die Steifigkeit aus den Gliedern zu vertreiben, auch die Rückenschmerzen ließen nach. Meine Spaziergänge im Wald, die ich am Anfang mehr aus Pflichtbewusstsein unternahm, wurden immer länger, nach der ersten Woche machten sie Spaß, ich genoss den Frühling im Wald.

Die angenehme, ruhige Atmosphäre unter Ärzten und Pflegepersonal, das fantastische Essen und die heitere, manchmal sogar ausgelassene Fröhlichkeit mit den Mitpatienten machten den Aufenthalt zum Erlebnis. Nach zwei Wochen konnte ich meine Zehen wieder bewegen, morgens stand ich ohne Rückenschmerzen auf! Es machte auf einmal wieder Freude, das Frankenland allein oder bei gemeinsamen Ausflügen mit Alexandra und Sigrun kennen zu lernen. Nach drei Wochen war fast ein anderer Mensch aus mir geworden; ich habe mich wohl gefühlt wie seit Jahren nicht mehr, ich war wieder beweglicher und sehr viel ruhiger geworden. In diesen drei Wochen habe ich keinen Bildschirm aus der Nähe gesehen.

Nach meiner Rückkehr ins Berufsleben brauchte es etwas, den neuen Rhythmus zu finden. Die Zeit für das QiGong am Morgen wurde fest in den Tagesablauf eingebaut, ebenso gehört jetzt die Thermosflasche mit dem Dekokt zu den festen Größen. Die ambulante Betreuung ist wunderbar und die Versorgung mit den Dekokten klappt prima. Auch wenn der Heilungsprozess natürlich nicht so schnell und so konstant wie in der Anfangszeit ist, das Leben hat wieder eine neue Qualität gewonnen. Auch wenn die Neurologen keine messbaren Verbesserungen nachweisen konnten (Mai 2005, kurz nach meiner Entlassung) und die chinesische Medizin ignorieren, gehe ich diesen Weg weiter.

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