Bulimie und Magersucht - die Auffassung der Chinesischen Medizin

Vor allem bei Patienten mit Bulimie besteht oft ein Teufelskreises. Im Extremfall wiederholt er sich unablässig: Auf unwiderstehliche Essgelüste folgt das Gefühl, angefüllt und dick zu sein. Erleichterung erfahren Bulimie-Patienten durch künstlich hervorgerufenes, manchmal auch schon automatisch ablaufendes Erbrechen, dass wiederum das Gefühl einer moralischen Niederlage nach sich zieht, das nach Trost im erneuten Essen verlangt.

Der Vorgang des Essens an sich besteht nach Chinesischer Medizin in einer komplexen Bewegung, die vom Magen über die Milz in den Bereich des Xue - also des Blutes und der Körpersäfte - hinab führt. Zur Aufgabe von Magen und Milz gehört das Auswählen, Schmecken, Kauen, Hinunterschlucken - alles Tätigkeiten, die der bewussten Wahrnehmung und Kontrolle unterliegen. Mit dem Überschreiten der Schwelle zum Xue geht diese Kontrolle verloren und Speisen entwickeln ein Eigenleben. Nach Auffassung der Chinesischen Medizin entsteht Bulimie unter anderem dadurch, dass die Schwelle zum Xue­Bereich nicht zugelassen wird. Der körperlichen Verselbständigung der Bulimie liegt aus Sicht der alternativen Heilmethode die folgende Prozesskette zu Grunde: Wiederholtes Erbrechen führt zum Verlust wertvoller Säfte, dies erzeugt eine sogenannte Bluthitze, die wiederum durch Wirkung auf andere Organe Erbrechen zur Folge hat.

Während die Schulmedizin das Ausbleiben der Regelblutung bei Bulimie und Magersucht - bei jungen Mädchen setzt sie meist gar nicht erst ein - als Folge der Unterernährung sehen, ist sie nach Auffassung der alternativen Heilmethode eine Folge der Störungen im Bereich des Blutes und der Säfte. Denn das Xue ist Sammelbecken und Quelle aller ernährenden Prozesse und bestimmt damit auch den weiblichen Organismus.

Magersucht ist nach chinesischem Verständnis eine Vorstufe der Bulimie - eine Auffassung, die in vielen Fällen durch die Krankheitsgeschichte bestätigt wird. Viele Patienten leiden anfangs unter Magersucht, aus der sich später eine Bulimie entwickelt. Chinesisch gesehen handelt es sich um das gleiche Krankheitschema, nur dass es sich nicht auf der Ebene von Blut und Säften abspielt, sondern im Bereich des Magens etabliert. Ehrgeiz und Einpassung in die Leistungswelt der Erwachsenen blockieren die Mitte.

  • Lesen Sie hier mehr über die chinesische Behandlung von Bulimie und Magersucht

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