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Die Klinikzeitung - Zeitung der Klinik am Steigerwald, Juli 2010

Editorial

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Der Rücken (lateinisch dorsum, althochdeutsch hrukki und altindisch kruncati = "krümmt sich") ist die hintere Wand des Rumpfes, die sich vom Nacken bis zur Lende erstreckt und ist Schwerpunktthema dieser Zeitung. Etwa jeder Dritte leidet unter häufigen Rückenschmerzen, rund 70% der Mitteleuropäer einmal im Jahr. Grund genug sich mit unserer Rückseite zu befassen und sie ins Licht der Wahrnehmung zu holen. In diesen Genuss kommt bei uns Menschen in der Regel nur die Vorderseite. Unser dominanter Gesichtssinn, das Sehen, ist eine Hauptursache dafür, dass wir uns meist nur nach vorn orientieren. Schon wenn wir einfach nur die Augen schließen und uns auf das Hören konzentrieren, erweitern wir unsere Wahrnehmung um die Seiten und die Rückseite unseres Körpers. Normalerweise stürmen wir im Leben gern nach vorn und nehmen keine "Rücksicht". Auch hier das Lexikon befragt, finden wir zwei Bedeutungen unter "Rücksicht": 1. wohlwollendes Verhalten gegenüber jemandem nach Beachtung der Umstände; 2. Rückblick auf etwas, das schon vergangen ist. Unterbegriffe: Respekt, Anerkennung, Nachsicht, Verständnis.

Aha, in dem Moment, wo wir die Rückseite, die Rücksicht, in den Vordergrund bringen, entschleunigen wir, nehmen wir uns selbst und die Mitmenschen mehr wahr, "berücksichtigen" wir mehr. Vielleicht können auch diese Gedanken helfen, den gekrümmten und oft verhärteten Rücken weich zu machen, indem wir ihn rücksichtsvoll anschauen, den Rücken, und bemerken, dass er da ist, schon bevor er vor Schmerz aufschreit. Dann wird der Rücken elastischer und wir insgesamt im Umgang mit uns und anderen vielleicht auch.

Herzlich, die Redaktion der Klinikzeitung

Bettina Meinnert & Michael Brehm