Der pflanzliche Therapiehelfer
Kardamom, lat.: Semen cardamomi
Einige von den Pflanzen, die in den letzten Jahrhunderten als Tee- oder Gewürzkräuter den Weg aus wärmeren Weltgegenden in die europäische Küche gefunden haben, sind in den chinesischen Arzneibüchern als Heilpflanzen beschrieben. Dazu zählen: Zimt, Ingwer, Fenchel, Nelken, Koriander und einige andere. Sie alle sind von wärmendem Charakter, weswegen die Menschen im kalten Mittel- und Nordeuropa sie gern genutzt haben, um ihre Speisen und Getränke, vor allem in der kalten Jahreszeit, zu "temperieren". Dies fördert nicht nur Geschmack und Bekömmlichkeit, sondern trägt tatsächlich auch zur inneren Erwärmung des Organismus bei.
Auch Kardamom gehört in die Gruppe der genannten Gewürze. Kardamom gehört zur Familie der Ingwergewächse. Diese wachsen schilfartig, bilden Rhizome, also Wurzelstöcke aus und entwickeln ein scharfes Aroma, das sich allerdings deutlich vom Geschmack der Ingwerwurzel unterscheidet. Verwendet wird auch nicht der Wurzelstock wie beim Ingwer, sondern der Samen. Das Kardamomgewürz spielt eine große Rolle in der asiatischen und in der arabischen Küche. Es ist Bestandteil von manchen Curry-Mischungen und findet in einer Fülle von Speisen Verwendung. Z.B. als aromatischer Zusatz zu arabischem Kaffee. In Europa dient Kardamom als Lebkuchen und Spekulatiusgewürz, in Schweden wird darüber hinaus der Glühwein mit Kardamom gewürzt.
Die in der Chinesischen Medizin verwendeten vier Kardamomarten gehören alle in die Gruppe der Medikamente, die mit ihrer aromatischen Wirkung, wie es heißt, "pathologische Feuchtigkeit umwandeln". Indikation wäre Überforderung der inneren Verdauungsfunktionen durch Speisen, feuchtes oder schwüles Wetter, zuviel Arbeit oder auch durch psychische Belastungen. Symptome können sein: Müdigkeit, Unlust, Völlegefühl, Blähbauch, Leistungsverlust, Appetitstörung. Wenn diese "pathologische Feuchtigkeit" durch die auflösende, durchgängig machende und anregende Wirkung des Kardamoms weggeräumt ist, werden Kopf und Bauch frei, der Mensch kann sich dem Leben wieder zuwenden. Die zusätzlich absenkende Wirkung des Kardamom hat gleichzeitig einen kräftigenden und beruhigenden Effekt. Wer das leicht fremdartig scharfe, intensive Kardamomaroma auf sich wirken lässt, kann ein klein wenig nachspüren, wie diese Aromastoffe den Bauch wieder in Ordnung bringen. Am Geschmack lassen sich die physiologischen Effekte ablesen. Die natürlichen Stoffgemische betrügen nicht. Ihre Wirkung zeigt sich offen im Geschmack.
Darum empfehlen wir, möglichst nur natürliche Stoffe zum Kochen zu nehmen. Die Gewürze aus den Tropen schenken unserer kühleren Weltgegend dabei etwas von ihrer Wärme.

