Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt
Von Füßen und Wegen in unserer Therapie
Ursula Arras, Oberärztin:
| Die Füße nehmen in unserer Behandlung eine sehr wichtige Rolle ein... Mehr Die Füße nehmen in unserer Behandlung eine sehr wichtige Rolle ein. Wir betrachten sie genau, da die Füße bei chronisch kranken Menschen oft mitbetroffen sind. Außerhalb der ganzheitlichen Medizin wird dies oft nicht wahrgenommen. Viele Störungen lassen sich über die Füße mitbehandeln, z.B. mit Hilfe von Akupunktur, Akupressur, Moxibustion, Massage und Spezialbädern. Für mich persönlich sind die Füße über den therapeutischen Zusammenhang hinaus für das Gehenkönnen sehr wichtig. Spazieren gehen und Wandern verbinde ich mit seelischem Ausgeglichensein und Freiheit. Wanderschuhe sind immer dabei. |
Martina Kilb, Oberärztin:
Als Ärztin nehme ich in einer Behandlung oft den ersten Kontakt über die Füße auf... Mehr Die Füße sind unsere Wurzeln und geben uns den nötigen Bodenkontakt in unserer verkopften Zeit. Das Bewußtsein, dass wir Kontakt zum Boden haben, lässt uns anders im Leben stehen und gibt uns Halt. Als Ärztin nehme ich in einer Behandlung oft den ersten Kontakt über die Füße auf. Das empfinden die meisten Patienten als sehr angenehm und oft beruhigend. Innerhalb der chinesischen Medizintheorie ist es natürlich sehr auffällig, dass viele Meridiane an den Füßen beginnen oder enden. In der Akupunktur spielen die Fußpunkte eine wichtige Rolle. Wesentlich dabei ist aber, dass die Füße warm sind. Man sticht keine Nadel in einen kalten Fuß. Darum erwärmen wir in der Klinik vor und während einer Akupunktursitzung die Füße mit Rotlicht. Füße sind außerdem wie Hände: sehr aussagekräftig. Ihr Tonus kann die Spannung der ganzen Person widerspiegeln. Ich persönlich lerne die Füße immer mehr wertzuschätzen. Es ist wichtig, sie nicht stiefmütterlich zu behandeln. Eine gute Fußbehandlung wirkt immer auf den ganzen Körper. Noch ein Wort zum Schuhwerk für die Damen: wenn man guten Bodenkontakt braucht, auch im übertragenen Sinne, sind flache Schuhe oft sinnvoller als ein hoher Absatz. |
Sr. Elke:
| Wir in der Pflege haben viele Möglichkeiten, unseren Patienten Hilfen zu geben, die eigenen Füße oder Beine wieder sinnvoll einzusetzen... Mehr Füße sind unmittelbar wichtig zur eigenen Erdung, aber natürlich auch zur guten Bewegung. Wir in der Pflege haben viele Möglichkeiten, unseren Patienten Hilfen zu geben, die eigenen Füße oder Beine wieder sinnvoll einzusetzen. Das Linsenbad z.B. bei Polyneuropathie oder die Moxibustion an dem Punkt Niere 1 bei bestimmten Migräne-Attacken und anderen Kopfschmerzen. Die Füße sind das Organ, das uns die unmittelbare Gewissheit des Bodens gibt. Daher sind sie Angriffspunkt für eine Reihe von Notfalleinsätzen, wenn man "aus dem Häuschen ist", etwa Wasseranwendung bei Bluthochdruckkrisen. "Komm wieder auf den Boden" ist dann die Botschaft. In dieselbe Richtung gehen die Barfußweg-Übungen oder allgemein das Barfußgehen. Patienten mit unruhigen Beinen, den sogenannten restless legs, oder "heißen " Beinen, die nachts nicht schlafen können oder nur im Sitzen schlafen, weil das Im-Bett-Liegen die Empfindungen an den Füßen in die Unerträglichkeit steigert, helfen wir immer wieder mit warmen oder heißen Zimtöl- Fußbädern. Gewissermaßen eine paradoxe Anwendung. Auch sind Fußeinreibungen mit Energetika-Salbe ein Segen für viele Beingeplagten. Dabei beobachten wir, dass schon allein die Geste der Einreibung oder Fußwaschung bei einigen Patienten tiefe und erlösende Kindheitserinnerungen wachruft. In solchen Gesten steckt die Würdigung ihrer Person und ihres Lebensweges. Sie hilft ihnen, mit ihrem Leiden leichter umzugehen. Obwohl sich die Schmerzen mancher Patienten nicht gebessert haben, berichten sie von einem besseren Bodenkontakt und mehr Lebensfreude. |
Mona Blasek:
| Manchmal geht durch das lösende Arbeiten an einem einzigen Zeh eine Welle der Erleichterung durch den ganzen Körper... Mehr Dafür, dass wir im Laufe unseres Lebens ca. drei- bis viermal um die Erde laufen, gehen wir relativ achtlos mit unseren Beinen und Füßen um. Dabei können sie uns sehr viel erzählen. Nicht nur, weil sich Bewegungsmuster und Alltagsbelastungen schnell in den feinsinnigen Aufbau der Füße, ihre Muskeln, Bänder und Knochen übertragen. An den Füßen zeigen sich auch seelische Stellungnahmen und es ist, als präge sich das gelebte Leben in sie ein. Die Standsicherheit, das Geerdet- oder Verwurzeltsein eines Menschen, sein Gleichgewicht im Leben, all dies formt seinen Fuß und wird in einer körpertherapeutischen Behandlung angesprochen. Manchmal geht durch das lösende Arbeiten an einem einzigen Zeh eine Welle der Erleichterung durch den ganzen Körper. Der filigrane Aufbau (26 Knochen bilden mit 30 Gelenken einen Fuß) ist auch dafür verantwortlich, dass wir uns in aufrechter Haltung bewegen und fast jedes Hindernis überwinden können. Füße sind gespannt wie ein Segel. Sie fangen bei jedem Schritt die Erschütterungen ab und schützen so die darüber liegenden Strukturen. Gewohnheitsmäßige Fehlhaltungen der Füße wirken sich negativ auf die gesamte Haltung aus, z.B. beginnen Rückenschmerzen oft bei den Füßen. Sie sind Tastorgan, Greifwerkzeug, Bewahrer des Gleichgewichts und Impulsgeber für die Streckung nach oben. Eine der fünf Säulen der Chinesischen Medizin, das QiGong, ist ganz dem aufrechten Stand gewidmet. Die alten Chinesen sahen den Menschen als Verbinder von Erde und Himmel, den Bäumen gleich. Beide Füße spiegeln darüber hinaus durch ihre Reflexzonen den gesamten menschlichen Körper wider. Therapeutisch kann über die Füße daher der ganze Körper angesprochen werden. In bestimmten Traditionen Japans gilt die Fußsohle als zweites Herz des Körpers und in der Kraft des Fußes spiegele sich die Seelenstärke des Menschen. |
Christian Reinstein:
| Im Winter haben wir einen neuen Rundweg auf dem Klinikgelände gebaut... Mehr Im Winter haben wir einen neuen Rundweg auf dem Klinikgelände gebaut. Damit haben wir neue Freiheiten und neuen Raum vor allem für die Patienten anbieten können, die aufgrund ihrer Krankheit nicht gut zu Fuß sind und keine langen Waldspaziergänge machen können. Mit diesem Gedanken macht es Spaß, schwere Erdarbeiten durchzuführen. Jetzt können Patienten den ganzen Weg an der Steigerwald-Kante des Klinikgeländes entlang gehen. Die Aussicht ist genial und nun nicht mehr beschränkt. Wir haben schon eine Menge Erde bewegt. Bodengestaltung ist Schwerstarbeit, aber gibt auch ein Zufriedenheitsgefühl. Man sieht unmittelbar das Ergebnis. Da wird schon das Kind im Manne wach. |

