A+/ A- /  
Kontakt | Sitemap | Links | Presse | Suche
Die Klinikzeitung - Zeitung der Klinik am Steigerwald, Dezember 2007

Eine Fibromyalgiepatientin erzählt: Wie man von Berlin nach Bayern kommt

 
Was zum Lachen

Lachen soll ja bekanntlich jesundheitsfördernde Wirkung uffn Menschen haben. Nu ham Se im alljemeinen wenig zu lachen, wenn Se ernstlich krank sind. Besonders, wenn Se aus der deutschen Hauptstadt kommen. Der Berliner an sich is ja ziemlich robust. Schon der Alte Fritz hielt militärischen Drill und trocken Brot für'n probatet Mittel zujunsten der Volksjesundheit. Damit ham wa bis heute so Sachen wie Blockade, Kalten Krieg und Touristenströme ooch jut übastanden. Von Kindsbeenen an sind wa immun jejen Dreck, Krach und Jestank. Direkt Hunger muss ooch keena leiden, dafür jibt's die Berliner Tafel, deren Stellen wie Pilze aus dem Boden schießen. Nee, der Spaß hört erst uff, wenn Se sich ne neumodsche Krankheit zulejen, sagen wa mal: Fibromyalgie. Wenn Se sich damit, obwohl Se nich mehr loofen können, zum Arzt schleppen, sagt der Ihnen glatt: "Also, für so was ist in meiner Praxis kein Platz. Ich arbeite wirtschaftlich. Sie stehlen mir die Zeit. Draußen warten sechs Patienten. Sie wissen genau, dass Ihr Ansprechpartner der Psychiater ist. Wenn Sie Ihr Problem beseitigt haben und wieder laufen können, will ich Sie gerne untersuchen." Det is in solche Situationen, dass eim unjeahnte Kräfte zuwachsen. Da schwingt det eene Been quasi plötzlich höher als man et vorher jedacht hätte. Und da schwingt et einen jleich aus dem Sumpf der medizinischen Einrichtungen Berlins mit raus, die man alle schon jenossen hat und die bestenfalls die Uffassung vatreten, Schmerzen habe man preußisch tugendhaft zu ertrajen. Ick habe nu beschlossen, meene Schmerzen mit TCM zu Leibe zu rücken. Auswärts, also. Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Soll doch der Konfuzius in Bayern dem Ollen Fritz mal ordentlich den Marsch blasen.

Susanne Marx
Fibromyalgie-Patientin, Herbst 2007