Chinesische Minze, lat.: Herba Menthae
Die chinesischen Arzneibücher beschreiben die chinesische Minze als ein Kraut, das die Oberfläche öffnet. Mit "Oberfläche öffnen" ist gemeint, über Haut und Schleimhäute nach außen führend, ausleitend, Schweiß treibend und Auswurf fördernd. Die nach außen treibende Tendenz verdankt die Minze ihrem scharfen Geschmack. Damit verbunden ist auch ihr scharfer Wirkcharakter. Das Scharfe mobilisiert Qi, löst Stauungen und treibt nach oben außen. Das Besondere an der Minze: sie ist gleichzeitig von kühlem Temperaturverhalten. Diese Kombination finden wir selten. In der Regel sind scharfe Kräuter von warmer Temperatur. Der Begriff "hot", den die englische Sprache gleichzeitig für die Schärfe des Pfeffers und für die heiße Suppe benutzt, zeigt wie dicht diese beiden Wirkrichtungen beieinander liegen.
Die chinesische Minze wirkt wesentlich stärker als die einheimischen Minzen. Wir kennen sie vom japanischen Heilpflanzenöl, das wir gerne bei Erkältungen und Kopfschmerzen verwenden. In der Chinesischen Medizin ist die belebend, entstauend und gleichzeitig kühl wirkende Minze Teil von Erkältungsrezepturen.
Die Minze ist weit verbreitet und findet in vielen Kulturen Verwendung. Es ist die Minze, die aus dem Zähneputzen ein erfrischendes Erlebnis macht und den unerwünschten Mundgeruch nach dem Rauchen beseitigt. Der Pfefferminztee war, früher zumindest, in Jugendherbergen Alltagsgetränk. Er ist aber auch wesentlicher Bestandteil der nordafrikanischen Lebenskultur. Dort wird er in Kombination mit grünem Tee und sehr viel Zucker zubereitet: der Genuss wirkt erfrischend und gleichzeitig berauschend. Er ist Treibstoff für stundenlanges Palavern am Straßenrand und in marokkanischen Teestuben.

