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Die Klinikzeitung - Zeitung der Klinik am Steigerwald, Juni 2007

Welche Bedeutung haben die Hände?

nachgefragt bei Mitarbeitern der Klinik

 

Ursula Arras, Oberärztin
Hände können enorm stabilisierend wirken. Sie können beruhigen und stärken, aber auch gewalttätig sein. Sie haben das Potential für beides. Das macht sie mächtig. Interessant ist auch die enge Verbindung, die zwischen Hand und Gehirn beschrieben wird. Angeblich kann man sogar über Fingerübungen das Gehirn beeinflussen und z.B. einen Tinnitus lindern. In Lazaretten früher wurden Fingerübungen gegen Anfallsleiden bei Kopfverletzten eingesetzt.
Petra Thurn-Siwek, Körpertherapie
Meine Hände sind meine Augen, über sie erfühle ich den ganzen Patienten, seine empfindlichen und seine robusten Regionen. Die Hände nehmen einerseits wahr und andererseits können sie sich erinnern. Sie haben ein Erinnerungsvermögen für Tast- und Berührungserlebnisse, für meine therapeutische Arbeit unverzichtbar.
Eberhard Schreyer, Stationsarzt
Hände sind für mich wie eine große Kontaktfläche, z.B. bei der Pulstastung, aber auch um die Spannungslage eines Patienten wahrzunehmen. Die Hand dient als Werkzeug zum Beruhigen, Streicheln, Therapieren, Akupunktieren. Eigentlich kann man sagen, die Hand ist die ursprüngliche Nadel.
Michael Brehm, Körpertherapie
Für mich sind die Hände Mittler zwischen Menschen. Wenn die Hände berühren, berühren sie nicht nur einen Fuß oder den Rücken, den Kopf oder eine andere Hand. Die Berührungen an unterschiedlichen Stellen lösen zwar verschiedene Empfindungen aus, sie haben aber dennoch die Fähigkeit, den ganzen Menschen zu meinen.
Anja Horosz, Ambulanzärztin
Hände sind neben den Augen ein wichtiges Mittel Kontakt herzustellen, sowohl zur Begrüßung, zur Behandlung oder zum Trost, z.B. wenn man die Hand auf die Schulter eines anderen legt.
Petra Fischer, Krankenschwester
Mit Händen verbinde ich Einfühlungsvermögen und die Möglichkeit, mit verschiedenen Berührungsqualitäten Kontakt zum Patienten herstellen zu können. Eine Hand kann viele Sprachen sprechen.
Isi Becker, Körpertherapie
Mit Händen kann ich berühren und zwar auf vielen Ebenen. Mit Händen kann ich Halt bieten, Grenzen geben, ich kann schützend wirken. Hände können zärtlich und anschmiegsam sein, genauso wie sie fest zupacken können. Die richtige Mischung ist wichtig. Therapeutische Kunst ist das Herausfinden, wer gerade welchen Impuls braucht.
Lisa Menne, Stationsärztin
Die Bedeutung der Hände z.B. in der Akupunktur: Da ist meine linke Hand primär die Wahrnehmende, die darauf achtet, ob der Patient Angst oder Schmerzen hat, ob das Gewebe des Patienten sich eher zurückzieht oder entgegenkommt. Die rechte Hand ist die primär Aktive, die Nadel Führende, die entsprechend der Befindlichkeit des Patienten die Nadel handhabt. Hände haben für mich beides: wahrnehmende als auch gebende Aufgaben.
Martina Kilb, Oberärztin
Hände sind ganz entscheidend beim ersten Eindruck, den man von einer Person bekommt. Auch der Händedruck sagt viel über das Gegenüber. In der Therapie dienen die Hände sowohl zur Kontaktaufnahme, aber auch zum Grenzen setzen. Therapierende, zuwendende Hände können das Gefühl von Sicherheit vermitteln. Oft werden bei uns in der Therapie einfach die Füße gehalten oder mit einer warmen Hand das Kreuz gestützt. Die Patienten empfinden das als schmerzlösend und beruhigend.
Thomas Hansen, Körpertherapie
Eine Berührung sagt mehr als 1000 Worte, das beginnt schon beim Hände-Schütteln. In der Klinik arbeiten wir Hand in Hand im gesamten Team und mit dem Patienten. Durch eine Berührung kann sich der Patient angenommen, gesehen, gewürdigt und verstanden fühlen. Wichtig dabei ist, dass der Patient auch lernt sein Leben (wieder) selbst "in die Hand" zu nehmen.
Britta Spanknebel, Stationsärztin
Ich denke dabei an den Schweizer Pädagogen Pestalozzi, der die Bedeutung der Hände, und der körperlichen Fertigkeit in einen engen Zusammenhang mit geistigen und seelischen Fähigkeiten gebracht hat. "Hand, Herz und Kopf" waren dabei seine Kernbegriffe. Wenn ich mit meinen Händen arbeite, denke ich häufig an diese Worte Pestalozzis.
Martin Häfner, Körpertherapie
Das Thema Hände weckt Assoziationen wie "Handlungsfähigkeit schaffen", "Dinge wieder händeln können", "Handlungsraum erweitern". Mit Händen kann man fordern, aber auch fördern, man kann festhalten aber auch loslassen. Alle diese Aspekte spielen gerade in der Körpertherapie eine große Rolle.
Mona Voss, Körpertherapie
Mit Händen verbinde ich auch den Gedanken, wie wichtig es ist, die Verantwortung für das eigene Tun und Handeln zu übernehmen und anderen die Verantwortung für ihr Tun zu überlassen.
Pamela Bauer, Krankenschwester, und Regina Rauh, Studentin
Hände in unserem Beruf stehen immer für Kontakt, Zuwendung und Berührung. Egal, welches Verfahren man anwendet, letztlich endet alles wieder bei: Kontakt, Berührung, Zuwendung. Das "Wie" ist dabei viel wichtiger als das "Was".
Rosa Kalteis, Krankenschwester
Die berührende Hand in der Pflege wirkt spannungslösend für den Patienten. Er kann sich ganz auf die Bewegungen der streichenden Hand konzentrieren. Er begibt sich in meine Hände und in Sicherheit bei mir. Damit kann er vielleicht für wenigstens kurze Zeit seinem Schmerz entkommen. Er empfindet es als kleine Erlösung.
Mauro Fedetto, Küchenleitung
Die Hände sind für mich Ausdrucksorgan der Kreativität. Nehmen wir einen Apfel - wird aus ihm ein Kompott oder ein Apfelkuchen? Die Hände sind in ständiger Verbindung mit dem Leben, sie sind wie Brücken ins Leben. Für mich sind natürliche Lebensmittel lebendig und die Hände greifen in diese Lebendigkeit ein. Sie formen ihre Eigenarten und machen sie so zu einer Gaumenfreude.
Doris Hofstetter, Fortbildung
"Die kluge Hand tut nicht alles, was der törichte Mund spricht." Das ist alles was ich dazu sage.