Liebe Patientinnen und Patienten, liebe Freunde, Förderer und Interessierte,
der Gebrauch der Hände durch den Arzt hat im Laufe der Zeiten einige Wandlungen erfahren. In früheren Jahrhunderten war das Handanlegen meist Sache der Bader, Feldschere und Hebammen. Ihnen oblag in erster Linie die Handarbeit beim Massieren, Einrenken und Versorgen von Wunden und Geschwüren. Sie mussten den Star stechen oder Kinder ans Licht der Welt befördern. Der akademisch gebildete Arzt hielt "Sprechstunden" ab. Er ließ sich berichten, erhob Diagnosen, gab Ratschläge, stellte Verordnungen aus. Die Hand benutzte er allenfalls zur Pulstastung.
Mit Aufkommen der modernen Medizin vor etwa 200 Jahren trat die Anatomie des kranken Körpers in den Mittelpunkt des diagnostischen Interesses. Jetzt war nicht mehr der Mensch krank mit seinen unklaren Empfindungen und seinen wirren Äußerungen - die Organe waren krank, aber sie lagen unsichtbar in der Tiefe des Körpers. Es wurde auf der Suche nach dem Krankheitsherd geklopft, getastet und gedrückt - die Ärzte hatten ihre Hände entdeckt. Zwar dienten sie zunächst als Instrumente der objektiven Diagnostik, aber bald zeigte sich: es musste eine sensible Hand sein, die den Bauch so abtastete, dass der Patient sich nicht verspannte. Und manchem ging es schon ein wenig besser, wenn er die einfühlsame Hand des Arztes auf seinem Körper spürte.
Inzwischen haben sich zahlreiche Geräte zwischen die Hand des Arztes und den Körper des Patienten geschoben. Jetzt ist mehr manuelle Geschicklichkeit gefragt als Einfühlung. Zumindest ist sie, wo vorhanden, nicht mehr so wohltuend spürbar wie in den handbetonten Zeiten der medizinischen Diagnostik.
Gleichzeitig mit der zunehmenden Technisierung der Diagnostik haben sich zahllose Formen der manuellen Therapie entwickelt. Und ein Großteil von ihnen hat chinesische Wurzeln, wie Shiatsu, Tuina, Psychotonik oder Akupunktur. Allen diesen Therapiewegen ist gemeinsam: Die ursprüngliche Einheit von Diagnose und Therapie wird gewahrt. Im Behandeln spürt die Hand, wie der Patient reagiert und kann sich darauf einstellen.
Die Hand ist klug, sie fühlt und handelt gleichzeitig.
In diesem Sinne, so denken und hoffen wir, sind Sie bei uns in guten Händen
Ihr Christian Schmincke

