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Die Klinikzeitung - Zeitung der Klinik am Steigerwald, Dezember 2006

Liebe Patientinnen und Patienten, liebe Freunde, Förderer und Interessierte,

 

immer häufiger hören wir in den Wetternachrichten der letzten Wochen: zu warm für die Jahreszeit. Sie wissen, das Wetter und die Jahreszeiten sind für die Chinesische Medizin hoch bedeutsam. Fast ist die Frage berechtigt: Müssen wir um unseren Winter bangen?

Der Klimagipfel in Nairobi ist zu Ende gegangen, ohne Ergebnisse und Folgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, und Klimaexperten gehen von Erwärmungen von bis zu 3 Grad in den nächsten 50 Jahren aus, ein Szenarium, das ein klimatisches Desaster unbekannten Ausmaßes zur Folge hätte. Gerade China ist das Land mit dem größten industriellen Wachstum und einem erheblichen Ausstoß klimaschädlicher Gase. China ist auf einem Weg großer innerer Widersprüche. Die Orientierung an westlicher Kultur mit ihren schnellen Zeittakten ist stark, vielleicht zu stark. Aber noch hat China das geistige Potential zum Umdenken.

Wasser ist stärker als Stein, das Weiche überwindet das Harte, das Bewegte ist dem Starren überlegen. Diese Gedanken kommen aus dem alten China, haben Eingang gefunden in alle Lebensbereiche, in Staatslehren, wie auch in die chinesische Medizin. Das Grundlegende gilt für den Makro- und Mikrokosmos, für das bioklimatische System als Ganzes, für regionale Gemeinschaften und für den einzelnen Menschen. Dabei haben die alten Lehren etwas vorausgesetzt, das uns allen verloren zu gehen droht: das Überblicken langer Zeiträume. Nur wer Zeit hat und das Ganze im Auge behält, ist offen für Regulationen und erkennt Sinnbezüge.

Insbesondere wenn es um Gesundheit und Krankheit geht, um das Ringen eines jeden Menschen, um seine Selbstbehauptung gegen Erkrankung, brauchen beide, Arzt und Patient, einen langen Atem und Übersicht. Das ist eine Erkenntnis, die ich von meinen Patienten lernen durfte. Jede Entwicklung hat ihr eigenes Zeitmaß, und die gemeinsame Aufgabe von Arzt und Patient ist, für dieses Zeitmaß genügend Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Die Zeit in diesem Sinn ist keine Zauberformel; sie stellt Anforderungen an die Beteiligten, sie fordert Geduld, Klarheit und Konsequenz im Handeln.

Mit Weihnachten beginnt der Winter, Zeit für Ruhe und zur inneren Sammlung, allein oder mit Familie und Freunden. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe Weihnachten, Gesundheit und viel Zeit im neuen Jahr,

Ihr Christian Schmincke