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Die Klinikzeitung - Zeitung der Klinik am Steigerwald, Dezember 2006

Zimt

Gewürz und Heilmittel
 
Zimtsterne, Ingwerplätzchen, Lebkuchen, Gebäck mit Kardamom, Nelken und Anis - Weihnachtszeit ist auch die Zeit der vielen Gewürze, die nach Einstufung der chinesischen Medizin alle von "wärmendem" Charakter sind.

Darum passen sie auch so gut in den Glühwein. Die meisten von diesen Gewürzkräutern spielen in der chinesischen Arzneitherapie eine große Rolle. Für den Zimt sind folgende Unterscheidungen bedeutsam: Das Gewürz Zimt wird aus der meist entborkten Rinde des Zimtbaumes gewonnen und zwar aus zwei unterschiedlichen Arten, einer ceylonesischen und einer chinesischen. Zimt als Arzneimittel entstammt nur der chinesischen Baumart. Rinde und Holz haben unterschiedliche Wirkungen. Im Folgenden beschreibt Dr. Schmincke das Zimtholz, während das Zimtbuch (siehe Buchtipp) ausschließlich die Zimtrinde zum Gegenstand hat.

Zimtholz, lat.: ramuli cinnamomi

Der pflanzliche Therapiehelfer

von Dr. Schmincke

Das Zimtholz finden wir in chinesischen Arzneirezepturen häufig, ebenso wie die hierzulande als Gewürz gebrauchte Zimtrinde. Die Temperaturwirkung des Zimtholzes ist warm, sein Geschmack scharf und süß, es wirkt im Bereich verschiedener Organfunktionen. Durch seine Schärfe und Wärme wirkt er im Frühstadium einer Erkältung lösend und schweißtreibend. Da Zimtholz, chin. Gui Zhi, auch in besonderer Weise auf die chinesischen Energiebahnen (die Meridiane) erwärmend und blockadelösend wirkt, hilft es bei mancherlei Schmerzzuständen, Stauungen und Verdauungsbeschwerden. Auch in der Gynäkologie wird es in Schmerzrezepturen gerne verwendet. Entsprechend der guten Wirkung bei Verdauungsstagnation mit Ansammlung von trüben Säften, Völlegefühl, Blähungen, hilft es auch bei seelischer Stagnation, Mutlosigkeit. Körper und Seele gehören in der chinesischen Medizin immer zusammen.

Das Zimtholz wird fast ausschließlich zusammen mit anderen Kräutern in Rezepturen verabreicht, natürlich nach entsprechender chinesischer Diagnose. Unerwünschte Wirkungen sind bei Fehlverordnungen leicht möglich, nämlich Sodbrennen, allergische Erscheinungen, Schweissausbrüche, Hitzegefühl.

 
Buchempfehlung:

Zimt - Das duftende Juwel aus Tausendundeiner Nacht

Zimt spielt nicht nur zu Weihnachten eine große Rolle. Wer hat als Kind nicht Bekanntschaft gemacht, zumindest von den älteren Lesern, mit dem Mittagsgericht: Reis mit Zucker und Zimt. Das orientalische Gewürz hat seinen festen Platz in der westeuropäischen Küche. Wolfgang Hübner und Michael Wissing (AT-Verlag) ist mit ihrem Zimtbuch ein guter Wurf gelungen. Es ist durchsetzt mit kleinen Texten zur Geschichte des Gewürzes, seiner botanischen Herkunft, seines Gebrauchs als Heilmittel, als Duftessenz, aber auch klassisches Aphrodisiakum. Wer einen kleinen Seitensprung ins oft sehr süsse Zimt-Paradies verträgt und nicht gleich alle Empfehlungen zur Ernährung aus unserem Hause dabei vergisst, sollte es sich gönnen. Im Übrigen heißt das Kindergericht von damals, heute italienisiert: Zimtrisotto mit Rotweinbirnen.

 
Warnung und Entwarnung

Achtung Zimt!

Ende Juni dieses Jahres sind Zimtsterne unter Generalverdacht gefallen. Grund ist der Aromastoff Cumarin im Zimt, dessen Konzentration die Grenzwerte der europäischen Aromarichtlinie deutlich überschritt. Vor allem kleine Kinder sollten nicht mehr als 20 g Zimt täglich zu sich nehmen. Das entspräche im ungünstigsten Falle ungefähr drei Zimtsternen, gab das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bekannt. Hintergrund der Empfehlung sind Tierexperimente mit Cumarin, in deren Folge vereinzelt Leberschädigungen auftraten. Dabei ist wichtig zu wissen: Nicht das Gewürz Zimt wurde getestet, schon gar keine Zimtsterne, sondern Cumarin-Kapseln. Jeder Pharmakologe weiß, dass isolierte Stoffe sich anders verhalten als Stoffgemische. Außerdem bestätigte die BfR, dass der gelegentliche Verzehr von Zimtgebäck unbedenklich sei. Also, allen Unkenrufen zum Trotz: Genießen Sie Ihr Weihnachtsgebäck - aber bitte nur Weihnachten.