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Die Klinikzeitung - Zeitung der Klinik am Steigerwald, Dezember 2005

Der Dekokttrinker

Immer mehr sieht man sie: In Büros, im Kino, auf Partys, im Urlaub am Strand, im Restaurant, beim Picknick, im Meeting: die allgegenwärtige Thermoskanne.

Mit jedem Patienten, der nach Klinikentlassung seiner chinesischen Arzneitherapie treu bleibt, wird wieder ein Mitglied der neuen Spezies ins Land gespült. Der Dekokttrinker! Deutlich zu erkennen an folgenden Symptomen: Im Urlaub muss mindestens eine Kochplatte in erreichbarer Nähe sein, in jedem Hotel fällt er auf mit der Bitte eine Glasflasche mit undefinierbarem Inhalt im Hotelkühlschrank parken zu dürfen, sein Markenzeichen: Die Thermoskanne, überall, immer gegenwärtig.

Die Selbstbewussten erklären bei den vielen neugierigen Fragen sofort das ganze Therapiekonzept der Klinik. Die Zurückhaltenden erzählen, seit neuestem zum überzeugten Teetrinker mutiert zu sein. Die Kreativen behaupten in Japan und China sei es der neueste Schrei, sämtliche Getränke in einer Thermoskanne mit sich zu führen und kreieren im eigenen Betrieb gleich eine Mode daraus.

Der Dekokttrinker ist immer auch ein Dekoktkocher. Nicht immer ist die Familie von den seltsamen Gerüchen, die beim Kochen durch die Wohnung ziehen, begeistert. Auch schüttet schon mal ein Unwissender das kostbare Gebräu in den Ausguss.

Der Dekokttrinker hat es außerhalb der schützenden Klinikmauern nicht immer leicht. Darum soll er in dieser Zeitung eine Stärkung erfahren. Wie der Redaktion bekannt ist, ranken sich mannigfache Geschichten um den "Alltag mit Dekokt". Wir bitten Sie, diese Geschichten und Anekdoten zwecks Veröffentlichung an die Redaktion zu schicken, damit vor allem für die neuen Angehörigen der Dekokttrinker-Spezies deutlich wird: Ihr seid nicht allein und wir werden immer mehr!

Bettina Meinnert